Ein Thema, sagte ich …

… wir brauchen ein Thema, Alexander Kluge! Bitte!
Ich hab da was. Alexander Kluge öffnete seine Aktentasche. Er wischte sich währenddessen ununterbrochen mit der Serviette übers Revers. Das hat mir heute früh in Berlin Durs Grünbein zugesteckt, es ist das Exposé eines Romans, den ein gänzlich Unbekannter geschrieben hat, übrigens ebenfalls in Berlin.
Ich sagte: Ah, ja — ?
Hier, sehen Sie. Ein Investmentbanker, hat groß abgesahnt in den letzten Jahren. Jetzt stellt sich heraus: Er hat Magenkrebs. Lange hat er nicht mehr. Will er den Kampf aufnehmen? Sein erster Impuls: nein. Das Leben war fies genug, jetzt muss ich mich nicht auch noch bestrahlen lassen.
Aha, sagte ich.
Er verzichtet auf den Kampf ums Dasein. Stattdessen will er seinen Frieden mit seiner Familie machen. Der Vater, ein harter Hund, hoher Manager bei Mercedes-Benz. Kaltblütig, um das Mindeste zu sagen.
Und die Mutter?
Ein Eiszapfen aus Riga. Alexander Kluge grinste. Scherz beiseite. Wirklich ist sie so ein blonder Hohlkörper aus dem Norden, studierte Zahnärztin, die aber nie professionell einen Mund geöffnet hat. Für die war das nur das Sprungbrett auf die Karriereleiter.
Wo sie sich an ihrem Mann festgekrallt hat?
Sie gefallen mir, Herr Macha, sagte Alexander Kluge und lachte. Sie müssen unbedingt mal bei mir zum Interview vorbeikommen … wie sieht es morgen bei Ihnen aus?
Und das alles vor dem Hintergrund der Griechenland-, Spanien-, Portugal- und Euro-Krise? Vor gesamteuropäischer Kulisse? Zwischen Blitzlichtgewitter an der Croisette und Kohleofen in Dessau? Und, warten Sie. Ich sprang auf vor Begeisterung. Jetzt seh ich es! Unser Held beschließt, ein Enthüllungsbuch zu schreiben! Die ganzen Schweinereien offenzulegen! Auszupacken!
Sich unablässig mit der Serviette das von Salatsauce befleckte Jackettrevers wischend, hatte Alexander Kluge seinen Terminkalender hervorgekramt. Umständlich nestelte er ihn auf, eine Fülle von Notizzetteln und Post-its fiel dabei heraus.
Nein, warten Sie, sagte er, die Zeigefingerspitze über die Spalten schiebend, das geht leider nicht, morgen habe ich die Coen-Brüder zu Gast …
Es ist so eine Art Abrechnungsstory, oder? Der Einbruch der antiken Tragödie ins Börsencrashtrhrillergenre?
Ich sagte: Wow! und setzte mich.
Die TITANIC, sagte Alexander Kluge. Wir schreiben wieder das Jahr 1912. Die Zeiten wiederholen sich. Nietzsche. Und McLuhan! Sehen Sie diesen Investmentbanker als Sonde, die wir in ein unbekanntes Kälteuniversum schicken. Von dort funkt er Daten, die wir, sie auswertend, zu einem Weltbild formen können. Was können wir daraus lernen über den Zustand unserer Welt? Nur so interessiert mich Literatur.
Ja, ja, ja, sagte ich. Das könnte gehen …
Tod, Familie, Weltverhängnis, sagte Alexander Kluge. Wenn Sie den Vatikan hineinverwursten möchten, wie es dieser Berliner Nachwuchsschreiberling getan hat – nur zu!
Ein geheimer Orden! Wie wäre das?
Wer hat eigentlich das Geld erfunden? Und wozu? Lesen Sie die Geschichte des Geldes als Geschichte der Entwicklung vom Realismus zum Idealismus! Alexander Kluge zog ein grünes Suhrkamp-Bändchen aus seiner Aktentasche. Hier, Jochen Hörisch, können Sie haben. KOPF ODER ZAHL. DIE POESIE DES GELDES. Jede Menge Anregungen.
Auch Scorsese und DiCaprio wollen einen Wall-Street-Film machen …
Sehen Sie? WALL STREET, überhaupt. Der Film hat die Neunziger erfunden, sagte Alexander Kluge. Er sah auf. Lächelte. Wischte an seinem Revers herum. Gier ist gut. Geiz ist geil.
Oliver Stone, flüsterte ich.
Haben Sie mal über diesen Namen nachgedacht? Wall und Street. Mauer und Straße. Eigentlich ein Oxymoron, ja, ein Paradox.
Ich nickte. Ich dachte nach. Ich fragte: Und wie soll dieser Investmentbanker heißen?
Tja … Alexander Kluge schlug das ihm von Durs Grünbein ausgehändigte Manuskript, das er später seinem Lektor im Suhrkamp Verlag vorlegen würde, auf und blätterte. Bei diesem Autor hier heißt der Mann: „Tom Brunello“.
Find ich nicht übel, sagte ich.
Nein, ich auch nicht, sagte Alexander Kluge.
Und dann stieß ich das nächste Pils um.

Devil’s Staircase: die Perlentaucher-Version!

“——————–?”
———————————————————————————————————————————————————————–:
 “——————————————————————-.”
“———-?”
“—————————————————————————————————————————- mathematischen Gebilde!”
“Was denn?”
“———-Teufelstreppe von Cantor. ————- Fraktal.”
“——————————————————————-?”
„————————————————————————————————————————————- mathematischer Laie —————————— rektifizierbar –. ————————————————————————————————————————————– Zenons Schildkröte”
( ——————————————————————-)
“——————————————————————-?”
“Perelman. ——————————————————————-.”
————————————————————————————————————————————– fünf Vorzeichenfehler, ——————————————————— schwarzen Loch in Kilometerlänge ——————————————-..”
“——————————————————————- Cantorstaub – irgendsoeiner überabzählbaren Nullmenge. ——————————————————————-? ——————————— ne Peano-Kurve oder was?! ——————————————————————- einstellig —-.”
“—————–.”

Intermezzos Karma

Tom schlendert durch seinen Garten (Was soll er sonst tun? Im Script ist ihm Pause verordnet), wo ihn die Eingebung mit atemraubender Zuverlässigkeit zu treffen pflegt.

Eingebung: So leer wie das Universum in Wirklichkeit ist, so schwer ist diese Wahrheit zu erkennen. Aber nur schon ein Blick in den Autopoetikerblog lässt die Leerheit mit einem Schlag als Realität über allen Sümpfen und Hochhäusern aufscheinen.

Tom: Ja, genau. Wir haben mit den Autopo(i)etikern ein perfektes Modell geschaffen für die wirkliche Realität der Leerheit. Das ist ein wahres Meta-Meisterwerk.

Parallelwelten am Ende des Kabels

Irgendwie ist da doch der Wurm drin in diesem Blog, dachte Phorkyas. Bildstörungen. Vielleicht ist der Heisenberg-Destabilisator ausgefallen und die Parallelwelten interferieren, so dass man mal rüberschauen kann, wohin man sonst nie blicken könnte. Konferenzschaltung. Nach Patagonien, wo Bob ins Gesicht gefurzt wird oder in den Dschungel, wo Blutegel gejagt werden und irgendwie alles durcheinandergerät. KGB. Mönchsgärten mit Ornamentik. Er trat einmal gegen seinen imaginären Fernseher und das Bild wurde wieder scharf wie auf dem Körper der Teletubbies.

Da trat Blogo ihm mächtig ins Gemächt.
„So infantil woll’n wer dann doch mal nicht werden. Wir sind hier doch keine achtzehn mehr.“
Schnitt. Und er freute sich endlich wieder über den Live-Stream von der Schachweltmeisterschaft. Ach, wie gerne würde er sich auch von Viktor Kortschnoi beleidigen lassen. Dieser nun schon über Neunzigjährige gehört seit 1956 zu den weltbesten Schachspielern und einer der Schachkommentatoren erzählte von einer Begegnung mit ihm, die er gewonnen hatte. Nach der Begegnung habe Viktor nichts gesagt, aber später sei er ihm noch einmal im Fahrstuhl begegnet und da gab ihm der alte Großmeister ein paar warme Worte mit auf dem Weg: Er hätte die Partie leicht ausgleichen können, aber das sei zu langweilig gewesen. Er sei ein sehr oberflächlicher Schachspieler. – Der Kommentator war sichtlich stolz auf diese Anekdote, weil er immerhin eine Beleidigung wert..

„Au, warum hast du denn schon wieder,.. Blogo?“
„Du hast es einfach verdient. Was soll denn die Schachscheiße hier.“
„Wir müssen auch an unsere betagtere Zielgruppe denken, die wird doch, demographischer Wandel und so, weissu…“
„Nein.“
„Au!“

MEEETEEE! Wo ist denn hier die Qualitätssicherung, wenn man sie mal braucht. Oder weiß Tom vielleicht wie man nen Zweihänder ordentlich führt, dann könnte er so machetenmäßig in diesen Texten mal für Ordnung sorgen, sonst wuchert das hier noch über alle Vernunftgrenzen hinweg. Wo ist denn der alte Hexenmeister? Blogo! Wenn wir hier einmal mit Worten anfangen. Ob nun Sonnenstich oder Rotweinrausch. Das hier geht nicht gut aus.

Schlussbild: Ein Helikopter knattert durchs Bild, ein Fischweib beißt die Zähne zusammen

Konnte er damit rechnen? Ich meine, der KGB, das war doch nur ein Mythos! Den gab’s doch längst nicht mehr! Während der großen Zeit der James-Bond-Filme, da war der KGB eine Macht gewesen, vor der die Welt gezittert hatte. Nicht nur die westlichen Staaten. Auch die Einwohner Bukarests und Budapests, die Menschen in Moskau und Prag hatten bei diesen drei Buchstaben das Kroße Grausen Bekommen, äh, das große Sausen, nein, das sause Kotz–, ach, wie auch immer, die — by the way, sind es nicht vier? Wieso denn drei? Vier Musketiere: K, G, B und Fräulein Ohneinander? —
Whatever! Phorky, verkleidet als Big G (mit Augenklappe), klapperte jedenfalls mit einem an Schluckauf leidenden Lada durch Sibiriens Schlaglöcher. Viele, viele Jahre scheint das her zu sein — und doch sind es, wie die Sonne uns zugeblinzelt hat, dann doch nur wenige Stunden! Im kosmischen Maßstab gesehen, meine ich. Also schon ein paar Wochen. Monate.
Und darüber wollte er jetzt ein bisschen schreiben. Sich Erleichterung verschaffen. Für Freunde, Bekannte und Verwandte mal aus dem Nähkästchen plaudern, wie das so war mit den gedrungenen Sibiriern, wenn sie einen ca. 80 kg schweren Koffer wie eine Damenhandtasche aufs Dach der Klapperkiste wuchteten. Beeindruckend! Sieht man im Rheinland ja nicht alle Tage. Die Reifen ächzten und senkten sich beträchtlich, aber die sibirischen Muskeln, mit denen war nicht zu spaßen. Das war noch alte Schule. Von wegen Rückenschmerzen! Da bekamen die Rückenschmerzen selbst Rückenschmerzen! Der Winter hatte sie hart gemacht, diese Muskeln, Sehnen und Nerven. Vielleicht gab’s da noch Eisablagerungen, ebenso wie in der Blase. Und die Augen! Die Augen! Sie waren scharf und erbarmungslos, wie der Wind, der die sibirische Tundra oder Steppe mit ca. 120 km/h durchquert — also in etwa vier Mal so schnell wie der Lada ist, der weiße, den wir auf Fotos bestaunen durften.
Wie auch immer.
Phorky tippte, grinste, knallte sich schön ein paar Weizenbier rein dabei. Und hatte keine Ahnung, dass, was er schrieb, per Satellit in der Auswertungsabteilung des russischen Spionageabwehrdienstes landete. Wo einige Herren saßen, deren Deutsch fast so gut war wie das ihrer Frauen. Weswegen sie, gekrümmt unter massiven Blähungen, Ausdrucke von Phorkys sibirischen Reminiszenzen nach Hause schleppten, die sie beim kargen Abendessen mit knarrender Stimme und deplatzierter Zischlautfülle verlasen.
Um am nächsten Tag aufgeregt einen Obersten anzurufen, der, Kaviarschnittchen mit Wodka runterspülend und dann Wodka saufend gegen den salzigen Kaviargeschmack im Mund, eine Spezialeinheit benachrichtigte. Woraufhin wiederum ein Leutnant, der sich schon mit einem Leben in Verbitterung und Computerspielsucht abgefunden hatte, zu seinen samt und sonders schwarz maskierten Untergebenen sagte: „Kameraden. Einsatz. Macht euch bereit.“

Ja,

und wie ich da so sitze und mein Tagebuch befülle, wie jeden Abend, da wird mir klar, wie lange es schon her ist, dass ich so einen richtig schönen Urlaub gemacht habe! Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern, muss ich zugeben. Das muss un-glaub-lich lange her sein … zwei Jahre? Drei? Warte mal, vor drei Jahren, wo könnte ich da gewesen sein, vielleicht auf Lanza–
– Das ist jetzt ein Scherz, oder?
– Was?
– Du überlegst jetzt hier nicht auf den Seiten der Autopoieten, wo du vor drei Jahren im Urlaub warst?
– Ja, ich komm halt nicht drauf!
– Dir ist klar, dass du damit den Lesern wertvolle Zeit stiehlst? Zeit, die sie sinnvoll nutzen könnten?
– Sinnvoll? Wie denn? Hassartikel über die Merkel lesen, oder was?
– Es gibt andere Themen.
– Das Urheberrecht?
– Gartenarbeit.
– Na, wer kann sich denn heutzutage einen Garten leisten …
– Das ist doch keine Frage von —
– Außerdem sind die Leser der Autopoieten mehrheitlich Stadtmenschen. Hat die GfK herausgefunden.
– Die GfK?
– Die GfK.
– Aus Nürnberg? DIE GfK?
– Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg, exakt.
– Wieso hat die denn Nachforschungen über die Leser der Autopoieten angestellt?
– Na, wegen der Bedürfnisbefriedigung!
– Wessen Bedürfnisbefriedigung?
– Die der Leser, du Dummi! Um meine Bedürfnisse zu befriedigen, brauche ich bestimmt keine GfK, hahaha …
– Das klingt hier langsam irgendwie nach schwulem Stand-up, sorry, wenn ich das …
– Da haste recht. Bist ja aber auch selbst schuld, was lässt du mich denn nicht in Ruhe nachdenken, wo ich vor drei Jahren im Urlaub WAR!
– Wir wollen also NOCH gezielter die Interessen unserer Leser treffen mit unseren Beiträgen, hab ich das richtig verstanden?
– Genau so ist es.
– Dann höre ich mit dem Beitrag hier jetzt mal auf.
– Das wäre hilfreich.

Mu

Remizov

In den Staub, Unwürdige.
Nun, ich dachte wir seien schon nichts. Warum also noch uns ins Nichts treten?
Aber ihr beweist es doch mit jedem weiteren Artikel, den ihr hier einstellt.
Nein, du, Stimme des Zweifels, Verneinung unseres Kunstwillens, du Dämon unserer Kleinheit, du gehörst zum Schweigen gebracht, nicht wir.
So meinst du? Ich habe mächtige Verbündete.
Nein, nur deren Ohnmacht, deren Negativität, möchte ich meinen. Und selbst wenn, sollte es mich ernsthaft schrecken? Jedes Wort das wir tun ist ein Schritt auf wankender Planke, morsch, glitschig und darunter das Nichts.
Ich.
Nein, Zweifel, du bist ein anderer Dämon, du bist es der unsere Schritte lähmt, der uns durch unser Zaudern schon scheitern lässt, weil keinen Schritt wir tun. Du bist nicht einmal das Nichts.
Wie ihr.
Auch das nicht. Wir sind organisch gefügt. Etwas. Und auf den Schwingen der Worte im Flug der Idee scheint uns manchmal Höheres auf. Ob’s nun existiert oder nicht. Du, Dämon bist an uns gebunden. Als Parasit in unsren Schädeln, wenn den Sprung zum eigenen Gedanken zum eigenen Wort wir nicht wagen.
Und so einfach glaubst du meiner entledigt zu sein?
Ich weiß wohl, dass es so einfach nicht ist, doch werd ich die Feuer der Fackeln nun schüren, dich aus diesem Blogge auszutreiben.

Summergeschichte

Zu viert hatten sie ein Weingeschäft eröffnet. mete trank gerne Roten, insofern gab es da schon eine gewisse Inklination, zumal auch Tom sich ein bisschen auskannte. Bob Macha erklärte sich dafür zuständig, alte Damen aus dem Laden zu vergraulen, und Phorky, Phorky verzog sich mit seinen Bierdosen gleich in den kühlen, schattigen Lagerraum und fing an, sich einer Go-Partie hinzugeben. (Jedenfalls deutet die Mehrzahl der Gerüchte auf diese Variante hin. Genau ist ja nie zu sagen, was Phorky tut in seinen verschiedenen Quartieren, Kellern und Kummerkästen.) Also kein schlechter Start, alles in allem. Nicht, dass Internetia (in zärtlicher Verkürzung auch „Inertia“ geschrieben) eine Stadt ist, wo besonders viel Wein abgenommen würde. Streng genommen, leben hier ja nur Geister. Avatare, wie die Fachleute sagen. Und entsprechend mau ist die Nachfrage. Aber ungeachtet dessen zeigten sich die vier Geschäftsmänner mit dem Auftakt ganz zufrieden. Wenigstens hatten sie sich nicht gegenseitig umgebracht, und Phorky gelang es, sein Go-Spiel entscheidend zu verbessern! Tom twitterte wie verrückt die neuesten Weinlieferungen in die Netzosphäre hinaus, und einmal tauchte sogar ein gewisser Matthias auf und verlangte einen billigen Weißen. Tom legte sich mächtig ins Zeug, um ihn von dieser Wahl abzubringen und ihn ins Lager der Roten herüber zu verführen, aber wenn ein Mensch partout in sein Unglück marschieren will, dann muss man ihn halt lassen; am besten trommelt man noch den Takt dazu. So stellte Tom das demoralisierende Erlebnis jedenfalls später auf eine philosophische Grundlage. Und was taten die beiden übrigen Teilhaber? Nun, Bob las die Zeitung, immer und immer wieder die Ausgabe vom 3. April. Und mete nutzte die verkaufsfreie Zeit, um sein Flötenspiel zu vervollkommnen. Dann und wann hörte man hinter der Tür zum Lagerraum, wo Phorky hockte, ein lautes, unsinniges Heulen. Tja, und so kam der Sommer, und dann ging der Sommer, mit breitbeinigem Gang vom Herbst gefolgt, in welchem Klaus Lemke wieder einen Film drehte, in dem er der absolut lässige, vom Feuilleton gefeierte Großstadtcowboy in der ewigen deutschverfurzten Kleinstadt war, der Desperado der Filmförderung, der allen seinen nackten Arsch präsentierte, und wenn’s sein musste, auch singend. Und als der Herbst ins Land gegangen und Lemke schon wieder mit einem neuen Film und einer neuen Flamme beschäftigt war, hängte Phorky mit grauer Miene ein Schild an die Tür der Weinhandlung: „GESCHLOSSEN!“ Er schaute nach rechts, er schaute nach links, und dann war auch er verschwunden.