Das ist doch das Geile am Surfen!

Das entscheidende am ganzen Theater, und das wollte es ja schließlich sein, ein Theater, eine Bühne auf der einige narzisstische Tölpel sich vor kreischendem Publikum selbstgefällig grinsend verneigen… vergeigt. Hm.

Nochmals: Das entscheidende oder die Fehlkonstruktion am Ganzen, wenn es denn überhaupt eine Konstruktion gewesen wäre, diese autopoetische Selbstzerstörungsmaschine… Sackgasse. Hm, was willst du überhaupt sagen, Joy?

Also nochmals: Das Hauptproblem scheint mir nun die Virtualität zu sein. Wie im richtigen Leben. Insofern sind die Autopoietiker ein Abbild, ein Modell der Wirklichkeit. Ein Modell des zwangsläufig letzthinnigen Scheiterns aller Turmbaubemühungen. Wie meinen? Also tom-ates merkwürdiger Vergleich des Ichs oder Selbstbewusstseins mit einem schnöden Kanizsadreieck traf den Nagel bereits an der richtigen Stelle. Und? Man lebt trotz alledem. Ist doch wurscht, ob ich kognitiv nur bin oder sonst noch wie.

Man kann es auch als Wellenreiten, pardon: Surfen, sehen. Was denn? Die Existenz des Bewusstseins oder eben das autopoietische Hinundher. He? Surfen ist in gewisser Weise auch ein virtueller Vorgang. Warum das denn. Wenn einer surft, so surft er doch. Ja, stimmt. Also dann weiß ich jetzt auch nicht mehr weiter. Vielleicht wollte ich irgendwie auf die Vergänglichkeit anspielen mit dieser Metapher. Ah, verstehe. Besser noch, das Gegenteil: der Versuch ihrer Aufhebung, also die prolongierte Gegenwart. Ja, das wär’s. Wie das? Schau zu, wenn einer oder eine auf der Welle reitet. Er oder sie schlägt der Vergänglichkeit eben ein kleines Schnippchen. Surft weiter, obwohl das kaum möglich scheint. Das ist doch das Geile am Surfen. Ja, das ist die Metapher. Die Autopoietiker reiten auf ihrer imaginären Welle immer weiter, obwohl das eigentlich gar nicht möglich ist. Im Prinzip sind sie stehend k.o. Aber sie vollbringen das Unmögliche. He? Wer sind sie überhaupt? Irgendwie so… Hybridwesen. Hybridwesen? Ja, Hybridwesen. Wieso Hybridwesen? Schau mal, da sind also Blogo, Phorky, mete, Tom und Ohneei. Und? Das sind doch Figuren. Fiktive, nein, fiktionale Wesen. Ja und Nein. Eben das meine ich. Diese Figuren enthalten soviel authentischen Müll ihrer Väter und Mütter, dass sie unfrei sind und sich kaum mehr bewegen können. So vollgestopft kann keiner locker über die Bühne hüpfen. Hat was. Sie sind aber doch notwendig fiktional, denn sie sollen sich miteinander prügeln, obwohl sich ihre Schöpfer gar nicht kennen. Ja, das harzt. Hybridharz würd‘ ich sagen.  Aber die Frage ist, wie soll das weitergehen? Irgendwann ist auch die prolongierte Gegenwart vergangen. Ich geh‘ mal kurz Wellenreiten. Vielleicht weiß ich nachher, wie das funktionieren soll.

Rod rappelt sich möglicherweise auf, schnappt sich sein non-faktuales Brett und latscht in die fiktive Brandung.

Hirudo medicinalis

Mete und Blogo hatten sich entschieden, die Skipperin doch nicht über Bord zu werfen. Phorky und Tom lagen müde und vom teuren Rotwein betrunken in ihren Hängematten.  Doch blieb der Ansatz einer Meuterei und das Saufgelage nicht ohne Folgen. Prosperos der Schutzpatron der Skipperin nutzte seine Zauberkraft, um an den Meuterern, schreib- und streitsüchtigen durstigen Autoren Rache zu üben. Mit Hilfe eines gewaltigen Sturmes wurde er ihrer und der Skipperin habhaft und ließ sie auf einer einsamen Insel stranden. Ja, hier sollten sie gemeinsam ihre Schandtaten durchleben. Nach ein paar Monaten gelang es Tom auf der Flöte die Tonleiter auf und ab zu spielen. Auf einer seiner Spaziergänge fand Phorky einen angespülten Roman von Mankell „Meine fünfte Frau“ den er inzwischen auch rückwärts lesen konnte. Blogo wurde zu einem der weltbesten Gospieler, laut Tom. Blogo’s Schreibsucht war am Höhepunkt seiner Karriere und sollte in den bereits angefangenen Roman „Blogos Gonovelle“ vollendet werden. Ja, er wollte es schaffen. Mit diesem Roman wird er auf der Inselbestsellerliste landen. Nur noch dieser eine Versuch. Mete sah man so gut wie nie. Er war intensiv mit dem Anbau von Zuckerrohr beschäftigt. Sein Ziel war es, Inselrum herzustellen, den er (er wußte zwar noch nicht wie) von der Insel an die ganze Welt verkaufen wollte. Er hatte auch schon einen Namen „my island glory“ Jahrgang 2020. Er pflanzte und wässerte im tiefsten Dschungel. Jeder dümpelte vor sich hin. Man las, schrieb, schlief, spielte Flöte oder Go und jeder tat auch sonst, was er tun wollte. Bis zu dem Tag als man aus Mete’s Hütte einen lauten und verzweifelten Schrei hörte. Man sah Blogo in Metes Hütte verschwinden und hörte erneut einen grausamen Schrei. Wie ein Stier in seinen wildesten Stierkampf betrat er die Hütte der Skipperin. „Mein Gott, was ist denn nun schon wieder los, Blogo“ fragte die Skipperin. Blogo war leichenblass. Er japste nach Luft. Es viel ihm schwer, obwohl er sonst eigentlich für sein Alter gut trainiert war. Aber zurück zur Sache, lieber Leser, liebe Leserin. Lassen wir uns nicht ablenken. „Mete hat an seinem Sack ein Hirudo medicinalis“. Die Skipperin verstand nicht ganz. „Nun komm schon, Blogo, du bist hier zwar Gesundheitsbeauftragter, aber das geht auch ohne Latein. ja?“ Während Blogo erklärte worum es ging betraten auch Tom und Phorky die Hütte der Skipperin. Man beriet sich über die weitere Vorgehensweise. Phorky, war der Meinung, das Mete ein Notfall ist, wollte sich aber nicht zur Verfügung stellen. Es wurde wie immer lang und breit rumdiskutiert. Das Ergebnis war, dass alle vier just in dem Moment die Hütte von Mete betraten, als er mit dem Kopf zwischen seinen Beinen nach dem Wurm suchte. „Was machst’n du da?“, fragte Phorky. „Phorky, jetzt halt mal die Schnauze und lass den Mete das machen“ flüsterte Blogo. Dann sah man wie Mete mit zwei Finger den Wurm ergriff und zog und zog und zog.  Er zog ihn in eine beachtliche Länge und nichts passierte, bis sich der Übeltäter von Mete löste und alle erleichtert dreinschauten. Sodann gingen alle wieder ihrer Wege. Man hörte Tom noch grummeln, was muss der auch im tiefsten Dschungel Zuckerrohr anbauen.