Schlussklappe!

Es reicht, Freunde! 112 Beiträge von 5 namhaften Autoren bzw. 4 und einer ebensolchen Autorin mit einem fantastischen Finale. Wie haben wir mitgefiebert, aber es war nicht umsonst. Die Bombe hat alle bisherigen filmisch festgehaltenen Explosionen getoppt. Jegliches Warum? wurde von ihr zerfetzt. Ich hätte nicht gedacht, dass wir einen solchen Erfolg würden je feiern können. Apokalypse Now („I love the smell of napalm in the morning […] Smells like – victory.“) sieht im Vergleich dazu aus, wie ein verkrampftes Schulbubenvideo.

Gut, das Ganze geht jetzt ab in den Druck und in 107 Tagen, rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse kommt der Megaseller auf den Markt. Zwischen zwei echten Pappdeckeln funkelt auf Hochglanzpapier das erste wirklich interaktive Buch. Man wird es liken und Kommentare hineinschreiben können wie in einem richtigen Blog! Fantastisch.

Okay, Freunde. Wir treffen uns am 10. Oktober, Punkt 8 Uhr vor der Halle 4.2. Codewort: „Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!“ Alles weitere vor Ort (Schampus steht bereit!).

Devil’s staircase

„Was soll die Scheiße?“
Der Stuntman schmiss hin. Er hatte die Schnauze gestrichen voll – und er war von Bob Macha schon einiges gewöhnt gewesen. Aber nun:
„Dieser Phorkyas ist ja voll durchgeknallt. Was der für Fallen baut, da kommt kein Rambo drauf.“
„Wieso?“
„Ja, stürzt du mitten inner Verfolgungsjagd so eine Treppe runter und plötzlich bist du in einem mathematischen Gebilde!“
„Was denn?“
„Na, der Teufelstreppe von Cantor. Irgendso’n Fraktal.“
„Das, was andere Irre auch schon zu Musik gemacht haben?“
„Ja, kann sein, mir doch egal. Aber möchtest du mitten in so’nem Ding stehen, von dem du als mathematischer Laie nicht einmal weißt, obs rektifizierbar is. Da musst du dann unendlich viele Treppenstufen erklimmen, nur um einen Zentimeter weiterzukommen, da kommt man sich schon vor wie Zenons Schildkröte“
(stößt einen anerkennenden Pfiff aus)
„Schon fies dieser.., wie heißt der Irre nochmal?“
„Perelman. Ich höre immer noch sein dämonisches Lachen, als ich da.. ich mag gar nicht daran denken.“
„Ich mein‘ welche Versicherung soll denn so einen Scheiß übernehmen. Es gibt doch keine Gefahrenzulage für mathematische Stunts. So wie die rechnen gibt’s dann auch noch fünf Vorzeichenfehler, da könnte man sich doch gleich von einem schwarzen Loch in Kilometerlänge ziehen lassen..“
„Wohl wahr. Nachher ist man noch fragmentiert in so einen Cantorstaub – irgendsoeiner überabzählbaren Nullmenge. Was soll denn dann als nächstes kommen? Schicken die uns beim Segeltörn auf ne Peano-Kurve oder was?! Irre diese Typen. Kein Wunder, dass nach jedem Beitrag von diesem Kerl, die Leserzahl einstellig wird.“
„Du sagst es.“

Intermezzos Karma

Tom schlendert durch seinen Garten (Was soll er sonst tun? Im Script ist ihm Pause verordnet), wo ihn die Eingebung mit atemraubender Zuverlässigkeit zu treffen pflegt.

Eingebung: So leer wie das Universum in Wirklichkeit ist, so schwer ist diese Wahrheit zu erkennen. Aber nur schon ein Blick in den Autopoetikerblog lässt die Leerheit mit einem Schlag als Realität über allen Sümpfen und Hochhäusern aufscheinen.

Tom: Ja, genau. Wir haben mit den Autopo(i)etikern ein perfektes Modell geschaffen für die wirkliche Realität der Leerheit. Das ist ein wahres Meta-Meisterwerk.

Verschwörungswerk revisited

Das also sollte der große Plan gewesen sein? Mete warf einen abschätzigen Blick über den Zaun, wo die Bombe eifrig blinkte. Da hatten die beiden Physiker in den Kommentaren noch um radioaktives Material gebettelt, für das sie beide Connections besessen hätten und Phorkyas hatte das auch noch als Ablenkungsmanöver gedacht, um die Lochkartenberechnungen seiner Mutter zur Kernfusion zu reaktivieren, aber stattdessen hatten sie nur dieses Dreirad hier bekommen, diese Wasserbombe aus dem Chemiebaukasten. Aber nun, man musste arbeiten, mit dem was vorlag. Aber hatten die beiden sich überhaupt Gedanken gemacht, wie und wo sie die Autopoietiker überhaupt erwischen konnten? Ich mein‘, rein physisch waren die doch in alle Winde zerstreut und auch die Website war wahrscheinlich in Digitalschnipseln auf verschiedensten Servern der Welt hinterlegt. Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, an ein Passwort zu gelangen, anstatt Bob Machas PC hochjagen zu wollen?
Während all diese Gedanken durch sein Hirn wälzten, hatte Mete vor dem kleinen Apparatchik Platz genommen und versuchte einen Überblick zu bekommen über das Schaltungswirrwarr und die miesen Lötstellen. Dass die LED regelmäßig blinkte und so zumindest dieser Teil der Schaltung funktionierte – er nahm immer noch an: der einzige funktionsfähige Teil, immerhin war es der filmrelevante Teil der Elektronik – Ach, Scheiße, durchzuckte es ihn: Sie haben wirklich kein Klischee ausgelassen. Den roten oder den blauen Draht? Übergroß ragten diese beiden Drähte in sein Gesicht, damit er und die Kamera sie auch ja nicht übersahen. Ach, seufzte er und wollte da niederkniend schon sein Schweizer Offiziersmesser zücken, dann gibt’s wohl endlich wieder mal ’ne Explosion. Aber in diesem Augenblick durchschnitten Rotorblätter die Luft und der von ihnen verursachte kräftige Wind zerrte an seiner Kleidung. Ohneeinander, aus Nizza eingeflogen, stürmte auf ihn zu:
„Lass mal die Fachfrau ran!“

Am Arsch der Autopoietiker

Bolli …
Halt die Schnauze!
Das können wir nicht tun!
Hältst du dein …
Das können wir nicht bringen! Bolli!
Pssst! Du sollst deine Schnauze halten, hab ich dir gesagt!
Oh, Mann …
Kannst du das Winseln unterlassen? Geht das? Danke.
Wo hast du das Zeug überhaupt her?
Bollmann stand auf. Er schaute drohend auf den armen kleinen Phorky hinab. Er drehte seinen Oberkörper und ruderte mit seinen Schultern, als könnte er sich nur mit Mühe vom Totschlag zurückhalten.
Hab ich dir nicht gesagt, brummte er, dass ich mein Geld eine Zeitlang mit dem Aufsprengen von Tresoren verdient hab?
Du hast gesagt, du hättest Wale gejagt.
Das auch.
Felix Bollmann ging wieder in die Knie und schraubte an seiner Bombe herum.
Ich hatte viele Leben, sagte er.
Phorky zog den Rotz hoch. Er stopfte seine zarten Akademikerhände in die engen Taschen seiner Jeans. Von einem Fuß auf den anderen tretend, sagte er: Brauchst du mich eigentlich dabei?
Geh halt schon vor, knurrte Bollmann über seine Schulter. Trink ein paar Weißwein. Ich bin dann gleich bei dir.
Aber sie werden nicht sterben, oder?
Nicht alle, sagte Bollmann.
Nicht alle? Du hast doch aber …
Wo gehobelt wird, fallen Späne! Wieder sprang Felix Bollmann auf. Jetzt IST es aber genug! Ich hab dir gesagt, geh einen Wein saufen und lass Daddy die Dinge richten, okay? Was ist daran eigentlich so schwer zu kapieren?
Ich will nur nicht, dass jemand …
Ver-piss-dich!
Phorky schaute seinen alten Buddy an. Würde der zuschlagen? Ihm die transplantierten Zähne extrahieren? Mit seiner rauhen, dicken Faust? Steckt das in dir, Bolli? So befragte Phorky seinen Hirnhintergrund.
Dann machte er auf dem Absatz kehrt.
Okay. Bis gleich!

Probier’s mal mit Begeisterung

Also Sie sind wirklich Bob Macha?
Hm.
Der österreichische Jungregisseur hüpft noch einmal auf dem Bett in die Höhe. Die Hände zwischen seinen Knie gefaltet. Seine Kiefer mahlen vor Begeisterung. Er gibt ein quietschendes Geräusch von sich.
Und Sie könnten sich das vorstellen?
Bob Macha machte eine generöse Handbewegung: Wenn Sie sich das vorstellen können …
Das wird GENIAL!, ruft der österreichische Filmregisseur. Ist doch alles drin! Windsurfing, eine Reise nach Omsk, eine Intrige, die sich gewaschen hat …
Hm.
Wir müssten natürlich, sagt der österreichische Jungregisseur schnell, noch mal ein paar Script Doctoren drauf ansetzen.
Das denk ich wohl, sagt Bob Macha.
Damit die eine Art von Zusammenhang schaffen.
Wär gut, sagt Bob Macha.
Aber das Material ist erstklassig! Und erst die Visagen!
Visagen?
Entschuldigung, ich meine natürlich: Ihre Gesichter.
Bob Macha fragt: Wird auch Felix Bollmann mitwirken?
Der österreichische Jungregisseur stutzt. Sagen wir so: In seiner Sicht der Dinge stellt die Boxszene Bollmann vs. Schmetterlingsbienchen den Höhepunkt des Films GANGSTA’S PARADEISER dar. Alles andere ist ja auch wirklich konfuser, arschlangweiliger Kram. Aber kann er das Bob Macha wirklich so sagen? Dem Mann, der Bollmann hasst wie nichts sonst auf der Welt?
Tja … Er kratzt sich am Hals. Was meinen Sie denn, Bob?

Das ist doch das Geile am Surfen!

Das entscheidende am ganzen Theater, und das wollte es ja schließlich sein, ein Theater, eine Bühne auf der einige narzisstische Tölpel sich vor kreischendem Publikum selbstgefällig grinsend verneigen… vergeigt. Hm.

Nochmals: Das entscheidende oder die Fehlkonstruktion am Ganzen, wenn es denn überhaupt eine Konstruktion gewesen wäre, diese autopoetische Selbstzerstörungsmaschine… Sackgasse. Hm, was willst du überhaupt sagen, Joy?

Also nochmals: Das Hauptproblem scheint mir nun die Virtualität zu sein. Wie im richtigen Leben. Insofern sind die Autopoietiker ein Abbild, ein Modell der Wirklichkeit. Ein Modell des zwangsläufig letzthinnigen Scheiterns aller Turmbaubemühungen. Wie meinen? Also tom-ates merkwürdiger Vergleich des Ichs oder Selbstbewusstseins mit einem schnöden Kanizsadreieck traf den Nagel bereits an der richtigen Stelle. Und? Man lebt trotz alledem. Ist doch wurscht, ob ich kognitiv nur bin oder sonst noch wie.

Man kann es auch als Wellenreiten, pardon: Surfen, sehen. Was denn? Die Existenz des Bewusstseins oder eben das autopoietische Hinundher. He? Surfen ist in gewisser Weise auch ein virtueller Vorgang. Warum das denn. Wenn einer surft, so surft er doch. Ja, stimmt. Also dann weiß ich jetzt auch nicht mehr weiter. Vielleicht wollte ich irgendwie auf die Vergänglichkeit anspielen mit dieser Metapher. Ah, verstehe. Besser noch, das Gegenteil: der Versuch ihrer Aufhebung, also die prolongierte Gegenwart. Ja, das wär’s. Wie das? Schau zu, wenn einer oder eine auf der Welle reitet. Er oder sie schlägt der Vergänglichkeit eben ein kleines Schnippchen. Surft weiter, obwohl das kaum möglich scheint. Das ist doch das Geile am Surfen. Ja, das ist die Metapher. Die Autopoietiker reiten auf ihrer imaginären Welle immer weiter, obwohl das eigentlich gar nicht möglich ist. Im Prinzip sind sie stehend k.o. Aber sie vollbringen das Unmögliche. He? Wer sind sie überhaupt? Irgendwie so… Hybridwesen. Hybridwesen? Ja, Hybridwesen. Wieso Hybridwesen? Schau mal, da sind also Blogo, Phorky, mete, Tom und Ohneei. Und? Das sind doch Figuren. Fiktive, nein, fiktionale Wesen. Ja und Nein. Eben das meine ich. Diese Figuren enthalten soviel authentischen Müll ihrer Väter und Mütter, dass sie unfrei sind und sich kaum mehr bewegen können. So vollgestopft kann keiner locker über die Bühne hüpfen. Hat was. Sie sind aber doch notwendig fiktional, denn sie sollen sich miteinander prügeln, obwohl sich ihre Schöpfer gar nicht kennen. Ja, das harzt. Hybridharz würd‘ ich sagen.  Aber die Frage ist, wie soll das weitergehen? Irgendwann ist auch die prolongierte Gegenwart vergangen. Ich geh‘ mal kurz Wellenreiten. Vielleicht weiß ich nachher, wie das funktionieren soll.

Rod rappelt sich möglicherweise auf, schnappt sich sein non-faktuales Brett und latscht in die fiktive Brandung.

Moment, Aufnahme!

Stellen Sie sich vor, Sie sollen einen Haufen Schwererziehbarer per Fax in einem Stück von Oscar Wilde inszenieren. Das Theater ist in Brasilien, Sie in Konstanz am Bodensee. Es gibt eine Strichfassung, aber die hat man Ihnen nicht zugespielt; auch über Bühnenbild und Kostüm wissen Sie nicht das Geringste, von dem Aussehen Ihrer Schauspieler ganz zu schweigen. (Im Grunde wissen Sie noch nicht einmal, ob Ihre Schauspieler überhaupt Schauspieler sind; ja, noch das Faktum ihrer Existenz ist mit derselben Krux geschlagen wie Schrödingers Katze, unphysikalisch gesprochen.) Über die Fortschritte Ihrer Arbeit werden Sie von 24 Affen informiert, die per Laptop in unregelmäßiger Folge Berichte verfassen … so fühlte sich Bob Macha, als er aus einem hammermäßigen Brutalorausch erwachte.
Souverän geht anders!
Dabei hatte er gar keine Ahnung von metepsilonemas finsteren Ränken! Er wusste nicht, dass das Netz der tödlichen Intrigen sich bereits um seinen Hals zuzog. Er sah sich nicht als Person, über die ein böser Wille ein Fadenkreuz gezeichnet hatte. Er sah sich als Regisseur in freiem Fall, ohne Netz oder doppelten Boden. In künstlerischer Hinsicht – Bob neigte nicht dazu, sich überflüssigen Illusionen hinzugeben – war das hier Harakiri. Für ihn bestand die einzige Motivation, sich jeden Morgen aus dem Bett zu quälen, in der Hoffnung, früher oder später Felix Bollmann zu erwischen. Und wenn es bedeutete, aus diesen autopoietischen Narren jede einzelne Zeile herauszuprügeln! Am Ende würde er triumphieren …
Fassen wir zusammen. Auf metes Abschussliste standen Phorky und Bob. Bobs Liste war sehr kurz, nur „Felix Bollmann“ stand darauf (in zorniger Schrift). Tom wiederum lebte seinen Pazifismus, fühlte sich jedoch, und das setzte ihm mächtig zu, als Mitwisser und Mittäter. Sollte mete wirklich zuschlagen, das war ihm klar, würde in ihm die moralische Alarmglocke losschrillen.
Und Phorky? Tja, Phorky … Phorky war in erster Linie mit sich selbst beschäftigt; selbst wenn er die feste Absicht gehabt hätte, seine vier Blog-Kollegen aus dem Weg zu räumen, kann man sicher sein, dass er vorher sich selbst ausgeschaltet hätte.
Was noch? Frau Ohneeinanders Absichten lagen vollkommen im Dunkeln. Und das in einem solchen Maße, dass die ganze Frau eigentlich im Dunkeln blieb! Wenn man mete Glauben schenken konnte, war sie ins Anti-Bob-und-Phorky-Komplott bereits eingeweiht; aber konnte man ihm Glauben schenken? Einem Mann, der sich einen Namen gab, den nur Abiturienten aussprechen konnten? Der sich überdies nach Fadenwürmern benannte? Hm, hm …
Tom schlenderte missmutig durch seinen Garten. Am Himmel, sehr hoch oben, ließ ein Jet die Steine der Schallmauer lautstark durcheinander purzeln.

Tschuldigung, ist das hier die Reset-Taste?

Bob! Hey …
Tom. Setz dich.
Was ist? Tom blickte fassungslos auf die leeren Bierflaschen auf dem Tisch. Ist das alles von …
Tagesausbeute, sagte Bob. Und rülpste.
Du hockst hier im Dunkeln. Was machst du denn?
Tom zog sich einen der IKEA-Klappstühle* heran und setzte sich.
Tom, sagte Bob, ich geb’s auf.
Was denn? Was gibt’s du auf?
So geht’s ja nicht, sagte Bob.
Aber was denn nur?
Ich hab mit mete gesprochen. Er meint, ich sollte Ressorts verteilen.
Aber du hast doch Rollen verteilt!
Ich hab Rollen verteilt, na ja. Bob Macha ließ seine Stirn schwer in seine gespreizten Finger sinken, dann, die Theatralik seiner Geste trotz der immensen Alkoholisierung bemerkend, straffte er sich wieder. Nein, sagte er. Du hast gedacht, Tom, ich hätte Rollen verteilt. Aber letzten Endes ist dieser Haufen unregier-, unregissierbar.
Aha? Tom stützte sein Kinn auf die ineinander verflochtenen Finger. Willst du etwa schon wieder aufgeben?
Nein, will ich nicht. Wir müssen es nur anders aufziehen. Das mit der Story funktioniert nicht! Schon Phorkys in der Exposition eingeschaltete Retardation hat das doch in der schönsten Blüte gezeigt! Da kommt nie etwas Narratives zustande. Da zeigt nur jeder auf verschiedensten Niveaus seine Wunden vor.
Und?
Toms Blick verfinsterte sich.
Eine Möglichkeit wäre, wir geben Themen vor, sagte Bob.
So wie in der Schule?
Exakt. Bob nickte und rülpste noch einmal herzhaft.
Und du erwartest jetzt von mir, wenn ich das richtig verstehe …
Bob nickte und rülpste.
Ich soll Themen verteilen?
Oder ein Thema. Gib allen ein Thema vor. Essay, Drama, Skizze, Aphorismus. Alles geht. Aber wir müssen in dieses Blog, wenn es funktionieren soll, eine Einheitlichkeit bekommen! Es kann ja nicht alles wild durcheinander fliegen! Das ist doch scheiße!
Beruhig dich, Bob.
Ich brauch noch n Bier.
Das glaub ich nicht.
Nein? Dann gib ein Thema vor!
Tom faltete die Arme vor seiner Brust und bohrte seinen Blick in Bobs Visage. Er hätte dem Idioten die Scheiße aus dem Leib prügeln mögen. Tat er aber nicht. (Einer der Gründe war, dass sie beide ja nicht existierten.) Stattdessen sagte er: Ich werde Ohneeinander bitte, das zu tun.
Ja, gute Idee, sagte Bob.
Sie soll die Regie führen.
Lässt du dir was von einer Frau sagen?
Ich liebe Frauen, sagte Tom mit einem schiefen Grinsen.
Das ist dein Problem, sagte Bob und stand auf.
Wo willst du hin?
In die Bar.
Welche Bar?
Die, die kein Bargeld nimmt.
Hab ich von gehört.
Und ich will’s mal sehen.
Bob verließ den Raum. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss, und Tom regte sich. Er holte sein Smartphone aus der Tasche. Er tippte er mit schmalen Fingern auf dem Display herum. Eine Weile saß er dann wieder im Dämmerlicht und sinnierte. Ein Pieplaut unterbrach seine Gedankengänge. Er zog sein Smartphone aus der Hosentasche und las, was an Textnachricht eingegangen war:
KLAR, MACH ICH. BUSSI, OHNEEI.

* Die Lektorin, Verena Meierchen, war sich nicht sicher, ob wir das schwedische Möbelhochhaus nennen dürften; wir tun’s jetzt einfach mal.

Interludium

Bob?
mete?
Hallo, Bob?
mete.
Bob?
mete, kannst du mich hören?
Bob? Bist du …
mete! Mensch! Ich hab dich doch gerade kurz …
Ah! Verdammt! Bob!
mete, pass auf. Das hat ja keinen Zweck. Ich leg jetzt auf.
Bob!
Ruf doch gleich noch mal an, oder? Oder ich rufe an.
— Piep. —
Bob?

Lesen Sie in der nächsten Folge: Wie es kam, dass in mete der mörderische Groll gegen Blogo Macha und Phorky erwuchs. Und warum es nach Ansicht der zivilisierten Welt unerlässlich ist, dass Felix Bollmann zerstört werde. Das und vieles mehr demnächst hier, auf den Seiten des Autopoietikers; sobald mete sich von seinen Verpflichtungen losreißen kann.