Halbzeitpfiff

„Ich habe keine Lust mehr, mich von 60000 Fans auspfeifen, anpöbeln, beschimpfen und beleidige zu lassen“ brüllt blogo in der Kabine. Der Mann mit der Nummer 18 der sonst perfekt deutsch sprechen und schreiben kann. Frustriert hocken sie verschwitzt und schnaufend auf den Bänken. Die Nummer 9, Tom der während der Trainigspausen am liebsten Liebesgeschichten schrieb. Und phorky, die Nummer 38. Er, der immer für ein attraktives Spiel sorgte und seine Inspiration mit dem schreiben von Bedienungsanleitungen erlangte. Mete hörte man wie verrückt gegen die Klowände trommeln. „Der Clooney klaut mir ständig die Bälle“, schrie er. Mete der im heutigen Spiel, wo es um alles ging, Merkwürdigkeiten im Strafraum produzierte. „Jungs“ brüllte Skipp die Trainerin, “ euer Diskussionsbedarf hängt mir zum Hals raus. Ihr seid die schlimmste Gurkentruppe die mir in meiner bisherigen Trainerlaufbahn in die Quere gekommen ist. Ich habe internationale Clubs trainiert. Und ihr seid nicht in der Lage ein munteres Spielchen zu spielen? Ich kanns nicht sehen, wie Tom da aus dem Abseits geschlendert kommt. Und du, Phorky, die Presseleute beobachten dich. Alle Kameras sind auf dich gerichtet und dir fällt nichts besseres ein, als dich auf dem Platz selbst zu ermahnen und mit dir selber zu sprechen. Ich fasse es nicht. Blogo, du unterstützt den mete und nimmst ihm den Druck von der Schulter. Das Tor schießt heute mal Phorky. Denke dran Phorky, dass die da hinten auch ein Keeper drinne haben. Mete, versuche endlich mal nicht andauernd die eigenen Leute abzuschießen. Und wenn ihr eine Kontermöglichkeit habt, dann bringt wenigstens auch die Flanke.“ Skipp war am Ende mit ihrer Halbzeitrede. Die Jungs hatten sich so einigermaßen erholt. „Achtet auf eure Defensivarbeit und jetzt raus hier. Ich will Tore sehen“, brüllt Skipp. Draußen schrien 60000 Fans —- OLE, OLE, OLEEEEE. OLE, OLE, OLAAAAAA…..FC POIETIKER. WIR SIND IMMER FÜR EUCH DAAAAAA.

Hirudo medicinalis

Mete und Blogo hatten sich entschieden, die Skipperin doch nicht über Bord zu werfen. Phorky und Tom lagen müde und vom teuren Rotwein betrunken in ihren Hängematten.  Doch blieb der Ansatz einer Meuterei und das Saufgelage nicht ohne Folgen. Prosperos der Schutzpatron der Skipperin nutzte seine Zauberkraft, um an den Meuterern, schreib- und streitsüchtigen durstigen Autoren Rache zu üben. Mit Hilfe eines gewaltigen Sturmes wurde er ihrer und der Skipperin habhaft und ließ sie auf einer einsamen Insel stranden. Ja, hier sollten sie gemeinsam ihre Schandtaten durchleben. Nach ein paar Monaten gelang es Tom auf der Flöte die Tonleiter auf und ab zu spielen. Auf einer seiner Spaziergänge fand Phorky einen angespülten Roman von Mankell „Meine fünfte Frau“ den er inzwischen auch rückwärts lesen konnte. Blogo wurde zu einem der weltbesten Gospieler, laut Tom. Blogo’s Schreibsucht war am Höhepunkt seiner Karriere und sollte in den bereits angefangenen Roman „Blogos Gonovelle“ vollendet werden. Ja, er wollte es schaffen. Mit diesem Roman wird er auf der Inselbestsellerliste landen. Nur noch dieser eine Versuch. Mete sah man so gut wie nie. Er war intensiv mit dem Anbau von Zuckerrohr beschäftigt. Sein Ziel war es, Inselrum herzustellen, den er (er wußte zwar noch nicht wie) von der Insel an die ganze Welt verkaufen wollte. Er hatte auch schon einen Namen „my island glory“ Jahrgang 2020. Er pflanzte und wässerte im tiefsten Dschungel. Jeder dümpelte vor sich hin. Man las, schrieb, schlief, spielte Flöte oder Go und jeder tat auch sonst, was er tun wollte. Bis zu dem Tag als man aus Mete’s Hütte einen lauten und verzweifelten Schrei hörte. Man sah Blogo in Metes Hütte verschwinden und hörte erneut einen grausamen Schrei. Wie ein Stier in seinen wildesten Stierkampf betrat er die Hütte der Skipperin. „Mein Gott, was ist denn nun schon wieder los, Blogo“ fragte die Skipperin. Blogo war leichenblass. Er japste nach Luft. Es viel ihm schwer, obwohl er sonst eigentlich für sein Alter gut trainiert war. Aber zurück zur Sache, lieber Leser, liebe Leserin. Lassen wir uns nicht ablenken. „Mete hat an seinem Sack ein Hirudo medicinalis“. Die Skipperin verstand nicht ganz. „Nun komm schon, Blogo, du bist hier zwar Gesundheitsbeauftragter, aber das geht auch ohne Latein. ja?“ Während Blogo erklärte worum es ging betraten auch Tom und Phorky die Hütte der Skipperin. Man beriet sich über die weitere Vorgehensweise. Phorky, war der Meinung, das Mete ein Notfall ist, wollte sich aber nicht zur Verfügung stellen. Es wurde wie immer lang und breit rumdiskutiert. Das Ergebnis war, dass alle vier just in dem Moment die Hütte von Mete betraten, als er mit dem Kopf zwischen seinen Beinen nach dem Wurm suchte. „Was machst’n du da?“, fragte Phorky. „Phorky, jetzt halt mal die Schnauze und lass den Mete das machen“ flüsterte Blogo. Dann sah man wie Mete mit zwei Finger den Wurm ergriff und zog und zog und zog.  Er zog ihn in eine beachtliche Länge und nichts passierte, bis sich der Übeltäter von Mete löste und alle erleichtert dreinschauten. Sodann gingen alle wieder ihrer Wege. Man hörte Tom noch grummeln, was muss der auch im tiefsten Dschungel Zuckerrohr anbauen.

Sommerferien

Zwei Nachbargrundstücke weiter höre ich die Schaukel quietschen. Noch sehe ich ihre Fußspitzen nicht. Sie müssen höher schaukeln. Mit ihren Rädern drehen sie um die Siedlung ihre Runden. Ich liege im Garten und versuche ihre Wörter zu erhaschen. Die Jungs aus England sind wieder da. Wie jeden Sommer.